Von der Schreinerei zum Rolladenfachbetrieb
Der 1. Weltkrieg ist zu Ende. Anton Döppner, der Firmengründer, kam aus dem Elsass zurück, aus Hagenau, wo er längere Zeit des Krieges als Soldat stationiert war. Er war dort in seinem Beruf als Schreiner im Flugzeugbau eingesetzt. Die im Krieg damals verwendeten Flugzeuge waren zum Teil aus Holz, aus Sperrholz hergestellt.
Zu Hause versuchte er, die im Jahre 1908 eingerichtete und bis zum Einzug in den Krieg (1915) betriebene Bau- und Möbelschreinerei wieder in Gang zu setzen. An Maschinen hatte er nur eine kombinierte Bandsäge, die von einem Benzinmotor der Firma Deutz angetrieben wurde. Alles andere war Handarbeit. Das Herzstück, ohne das maschinell gar nichts lief, war also der Motor. Wenn er lief, lief die Arbeit, mindestens zur Hälfte. Aber das war der wunde Punkt.
Der Deutz-Motor, der in einem kleinen Anbau an die Werkstatt in Richtung Weg zum Trätz untergebracht war, war 3 bis 4 Jahre nicht mehr gelaufen. Mit einem dicken, großen Knüppel, den der Meister ins Schwungrad klemmte, versuchte er, seinem besten Gehilfen nahe zu kommen. Und wenn er lief, dann lief auch die kombinierte Bandsäge, mit der er sägen (auch geschweift), bohren, fräsen, falzen und nuten konnte. Aber der Motor wollte und wollte nicht. Der Meister musste sich geschlagen geben und sich ganz auf Handarbeit einstellen. Auch die Schwertsäge musste wieder hervorgeholt werden, um die Schwarten, die Rinde von den Brettern, zu entfernen. Die Sägewerke lieferten zu dieser Zeit die Bretter mit Rinde, mit Schwarte. Es hieß also für den Weiterbearbeiter von Brettern „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“. Es galt also, mit Hand zu sägen, zu falzen, zu nuten, zu fräsen, zu bohren, denn nur so konnten Treppen, Fenster, Türen und Möbel zustande kommen. Alle die Spezialwerkzeuge, die dazu nötig waren, sind leider nicht mehr vorhanden. Man hätte ein kleines Museum damit machen können. Es war ein hartes Brot. Um den Motor in Gang setzen zu lassen, da das eigene Vermögen es nicht schaffte, wäre ein Fachmann nötig gewesen. Aber das kostete Geld und das fehlte.
Es brauchte also alles seine Zeit, eine längere Zeit, bis der Motor wieder lief und damit die Säge mit den verschiedenen Variationsmöglichkeiten. Über eine Transmission wurde die Säge angetrieben. Zu der Säge kam später noch eine Hobelmaschine. Damit war das Leben für den Firmengründer um vieles leichter geworden. Aber dafür traten andere Schwierigkeiten auf.
Die Aufträge fehlten. Der Staat schlitterte immer mehr in die Inflation hinein. Wenn schon das Porto eines einfachen Briefes Milliarden Mark kostete, kann man sich leicht vorstellen, was das Geld überhaupt noch wert war. Im November 1923 wurde der Geldentwertung ein Ende gesetzt. Für eine Billion Mark Papiergeld gab der Staat eine Rentenmark, in 1924 auf Reichsmark umbenannt. Durch die der Inflation folgende Deflation (unzureichende Versorgung einer Volkswirtschaft mit Geld) trat eine allgemeine Lähmung der Wirtschaft ein. Dies wirkte bis in den kleinsten Handwerksbetrieb hinein. Es brauchte auch in Lütterz zusätzlich weitere Jahre, bis in der Werkstatt wieder etwas lief. Die nur so ganz allmählich sich verbessernde Lage vertrug in der Lütterzer Schreinerei noch nicht einmal einen Gesellen. Hin und wieder wurde mal ein Lehrling eingestellt.

Nach bestandener Meisterprüfung und mit dem neuen jungen Chef wurde der Betrieb zunächst im alten Fahrwasser weitergeführt, bis Reinhold Döppner sich in der neuen Situation sicher fühlte, um dann seinerseits neue Ideen einzubringen. Als er dann die Firma richtig im Griff hatte, wurde weiter gebaut, wurde vergrößert, wurden weitere Produkte dazu genommen wie Fenster, Türen und man ging von Holz auf Kunststoff über. Der Maschinenpark wurde erweitert und, soweit es nötig war, modernisiert. Dass die allgemeine Konjunktur gut lief, wirkte sich auch hier aus. Da die räumlichen Verhältnisse in Lütterz allmählich zu eng wurden und ein sinnvoller Ablauf der Fabrikation nur schwer herzustellen war, beabsichtigte der neue Chef und Meister, mit seinem Betrieb nach Großenlüder zu ziehen. Dort schwebte ihm vor, die Fabrikation in eine Ebene zu legen und das Ganze fließbandmäßig zu betreiben. Er kaufte 1978 dort ein für seine Zwecke geeignetes Grundstück.
Inzwischen war die 3. Generation im Kommen. Reinhold, der älteste Sohn, begann 1954 bei seinem Vater die Schreinerlehre, die er nach 3 Jahren mit der Gesellenprüfung abschloss. Dies war am 26. März 1957 und am 1. Juni 1957 wurde er Gesellschafter. Aus der Einzelfirma Josef Döppner wurde die Firma Josef Döppner und Sohn, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Der Betrieb entwickelte sich gut. Neue Maschinen wurden angeschafft. Man interessierte sich für einschlägige Spezialmaschinen. Dazu orientierte man sich bei der Messe in Hannover und bei der Fachmesse in Stuttgart. Der Betrieb lief. Die Firma war auch mittlerweile in der Gegend bekannt geworden.
Auch für einen nahtlosen Übergang auf die nächste Generation, auf die 4. Generation, sind die besten Voraussetzungen gegeben. Man kann sagen: Die 4. Generation steht bereits in den Startlöchern. Bernd, das älteste der Döppners-Kinder, ist seit dem 23. Juni 1990 Meister. Er ist bereits in die Geschäftsführung gut eingeweiht und vertritt in allen Belangen seinen Vater. Mit zunehmender Abschwächung der Konjunktur, ab Mitte der 90er Jahre, und dem Wandel des Käuferverhaltens hin zum Fertigbau, war erneut Erfindergeist gefragt.



