Von der Schreinerei zum Rolladenfachbetrieb

1918: Der 1. Weltkrieg ist zu Ende. Anton Döppner, der Firmengründer, kam aus dem Elsass zurück, aus Hagenau, wo er längere Zeit des Krieges als Soldat stationiert war. Er war dort in seinem Beruf als Schreiner im Flugzeugbau eingesetzt. Die im Krieg damals verwendeten Flugzeuge waren zum Teil aus Holz, aus Sperrholz hergestellt.

Zu Hause versuchte er, die im Jahre 1908 eingerichtete und bis zum Einzug in den Krieg (1915) betriebene Bau- und Möbelschreinerei wieder in Gang zu setzen. An Maschinen hatte er nur eine kombinierte Bandsäge, die von einem Benzinmotor der Firma Deutz angetrieben wurde. Alles andere war Handarbeit. Das Herzstück, ohne das maschinell gar nichts lief, war also der Motor. Wenn er lief, lief die Arbeit, mindestens zur Hälfte. Aber das war der wunde Punkt.

Josef Döppner um 1960

Josef Döppner um 1960

Der Deutz-Motor, der in einem kleinen Anbau an die Werkstatt in Richtung Weg zum Trätz untergebracht war, war 3 bis 4 Jahre nicht mehr gelaufen. Mit einem dicken, großen Knüppel, den der Meister ins Schwungrad klemmte, versuchte er, seinem besten Gehilfen nahe zu kommen. Und wenn er lief, dann lief auch die kombinierte Bandsäge, mit der er sägen (auch geschweift), bohren, fräsen, falzen und nuten konnte. Aber der Motor wollte und wollte nicht. Der Meister musste sich geschlagen geben und sich ganz auf Handarbeit einstellen. Auch die Schwertsäge musste wieder hervorgeholt werden, um die Schwarten, die Rinde von den Brettern, zu entfernen. Die Sägewerke lieferten zu dieser Zeit die Bretter mit Rinde, mit Schwarte. Es hieß also für den Weiterbearbeiter von Brettern „Üb‘ immer Treu und Redlichkeit“. Es galt also, mit Hand zu sägen, zu falzen, zu nuten, zu fräsen, zu bohren, denn nur so konnten Treppen, Fenster, Türen und Möbel zustande kommen. Alle die Spezialwerkzeuge, die dazu nötig waren, sind leider nicht mehr vorhanden. Man hätte ein kleines Museum damit machen können. Es war ein hartes Brot. Um den Motor in Gang setzen zu lassen, da das eigene Vermögen es nicht schaffte, wäre ein Fachmann nötig gewesen. Aber das kostete Geld und das fehlte.

Es brauchte also alles seine Zeit, eine längere Zeit, bis der Motor wieder lief und damit die Säge mit den verschiedenen Variationsmöglichkeiten. Über eine Transmission wurde die Säge angetrieben. Zu der Säge kam später noch eine Hobelmaschine. Damit war das Leben für den Firmengründer um vieles leichter geworden. Aber dafür traten andere Schwierigkeiten auf.

Die Aufträge fehlten. Der Staat schlitterte immer mehr in die Inflation hinein. Wenn schon das Porto eines einfachen Briefes Milliarden Mark kostete, kann man sich leicht vorstellen, was das Geld überhaupt noch wert war. Im November 1923 wurde der Geldentwertung ein Ende gesetzt. Für eine Billion Mark Papiergeld gab der Staat eine Rentenmark, in 1924 auf Reichsmark umbenannt. Durch die der Inflation folgende Deflation (unzureichende Versorgung einer Volkswirtschaft mit Geld) trat eine allgemeine Lähmung der Wirtschaft ein. Dies wirkte bis in den kleinsten Handwerksbetrieb hinein. Es brauchte auch in Lütterz zusätzlich weitere Jahre, bis in der Werkstatt wieder etwas lief. Die nur so ganz allmählich sich verbessernde Lage vertrug in der Lütterzer Schreinerei noch nicht einmal einen Gesellen. Hin und wieder wurde mal ein Lehrling eingestellt.

Mit dem Übergang vor dem Krieg (die amtsgerichtliche Auflassung ist auf den 14. März 1940 datiert) auf den Nachfolger des Firmengründers, mit dem Übergang vom Vater auf den Sohn, waren neue Ideen, war neuer Schwung zu erwarten. Dieser Elan wurde aber bald wieder gelähmt. Es war wieder Krieg. Der neue Chef, Schreinermeister Josef Döppner, wurde schon bald nach Beginn der Auseinandersetzungen im Jahre 1939 eingezogen.

Der Schreinereibetrieb ruhte bis zu seiner Rückkehr aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft im Dezember 1948. Der neue Beginn 1949 war schwer. Es fehlte an allem, an Geld und an Material. Es war auch schlecht, Geld zu bekommen.

Mit der alten Art, den Betrieb zu führen, war kein Staat mehr zu machen. J. Döppner versuchte es verstärkt mit Treppenbau, dann schwenkte er um auf bessere Möbel. Er furnierte und polierte. Auch das erwies sich nicht als das Wahre. Dann probierte er eine ganz andere Richtung. Er machte den Versuch mit der Herstellung von Rollläden. Damit war ein Beginn gemacht, der weiterentwickelt zu einem guten Erfolg führte.

Wirtschaftsgebäude der Firma Döppner, 1990

Wirtschaftsgebäude der Firma Döppner, 1990

Nach bestandener Meisterprüfung und mit dem neuen jungen Chef wurde der Betrieb zunächst im alten Fahrwasser weitergeführt, bis Reinhold Döppner sich in der neuen Situation sicher fühlte, um dann seinerseits neue Ideen einzubringen. Als er dann die Firma richtig im Griff hatte, wurde weiter gebaut, wurde vergrößert, wurden weitere Produkte dazu genommen wie Fenster, Türen und man ging von Holz auf Kunststoff über. Der Maschinenpark wurde erweitert und, soweit es nötig war, modernisiert. Dass die allgemeine Konjunktur gut lief, wirkte sich auch hier aus. Da die räumlichen Verhältnisse in Lütterz allmählich zu eng wurden und ein sinnvoller Ablauf der Fabrikation nur schwer herzustellen war, beabsichtigte der neue Chef und Meister, mit seinem Betrieb nach Großenlüder zu ziehen. Dort schwebte ihm vor, die Fabrikation in eine Ebene zu legen und das Ganze fließbandmäßig zu betreiben. Er kaufte 1978 dort ein für seine Zwecke geeignetes Grundstück.

Von heute aus, von der stets zurückgehenden Konjunktur aus gesehen, muss man sagen, dass es gut war, Großenlüder 1984 wieder aufzugeben. Der größere Betrieb wäre heute ein Klotz am Bein. Dazu würden die dadurch entstandenen Schulden stark drücken. R. Döppner setzte alsdann ganz auf Lütterz und fand auch hier Lösungen zum sinnvollen und guten Ablauf der Fabrikation. Durch den Bau der neuen Halle im Jahre 1990 wurde die Werkstatt für Haustüren und Rollläden erweitert und das Glaslager und die Lagerräume für Fenster entsprechend neu eingerichtet. Die Sanitäranlagen wurden erneuert und dazu eine kleine Küche und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter geschaffen.

Robert Jordan bei der Arbeit im Rolladenbau, 1995

Robert Jordan bei der Arbeit im Rolladenbau, 1995

Inzwischen war die 3. Generation im Kommen. Reinhold, der älteste Sohn, begann 1954 bei seinem Vater die Schreinerlehre, die er nach 3 Jahren mit der Gesellenprüfung abschloss. Dies war am 26. März 1957 und am 1. Juni 1957 wurde er Gesellschafter. Aus der Einzelfirma Josef Döppner wurde die Firma Josef Döppner und Sohn, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Der Betrieb entwickelte sich gut. Neue Maschinen wurden angeschafft. Man interessierte sich für einschlägige Spezialmaschinen. Dazu orientierte man sich bei der Messe in Hannover und bei der Fachmesse in Stuttgart. Der Betrieb lief. Die Firma war auch mittlerweile in der Gegend bekannt geworden.

Wie aus heiterem Himmel traf die Firma ein harter Schlag. Nach kurzer schwerer Krankheit starb der Seniorchef am 27. Februar 1966. Die 3. Generation war nun ganz plötzlich gefordert. Ohne eingehend in die Geschäftsführung eingeweiht, ohne Meisterprüfung, musste Reinhold ins kalte Wasser springen. Es war ein hartes Muss. Reinhold war erst 26 Jahre alt. Seit 2 1/4 Jahren war er mit Christa verheiratet, und beide hatten einen Sohn namens Bernd. Reinhold und Christa mussten sich in die für beide unbekannte Gebiete, nämlich Buchhaltung und Geschäftsführung, ohne Anweisung einarbeiten. Reinhold war bisher nur auf Montage gewesen und hatte nur wenig Ahnung von der Führung der Firma. Da die leitende Person weggefallen war, musste auch die Firma umstrukturiert werden. Dies geschah mit Hilfe eines Steuerberaters. Aus der Offenen Handelsgesellschaft wurde eine Kommanditgesellschaft mit Reinhold als Vollhafter. Ab dem 1. Juni 1966 lautete der Name der Firma Josef Döppner & Sohn KG.

Reinhold Döppner musste nun daran denken, sobald wie möglich die Meisterprüfung zu machen. Dies forderte die Handwerkskammer. Andererseits hätte er sonst einen Meister einstellen müssen. Die theoretische Vorbereitung für die Meisterprüfung fand in einer Abendschule in Fulda statt, und den praktischen Beweis meisterlichen Könnens musste er in Limburg antreten. Am 6. September 1971 war es geschafft. Mit kräftiger Unterstützung seiner Frau im Büro, in der Werkstatt und auf den Baustellen während der Vorbereitungszeit lief die Arbeit weiter.

Reinhold Döppner 2001

Vergrößerte und modernisierte das Unternehmen mit Weitsicht: Reinhold Döppner 2001

Auch für einen nahtlosen Übergang auf die nächste Generation, auf die 4. Generation, sind die besten Voraussetzungen gegeben. Man kann sagen: Die 4. Generation steht bereits in den Startlöchern. Bernd, das älteste der Döppners-Kinder, ist seit dem 23. Juni 1990 Meister. Er ist bereits in die Geschäftsführung gut eingeweiht und vertritt in allen Belangen seinen Vater.

Mit zunehmender Abschwächung der Konjunktur, ab Mitte der 90er Jahre, und dem Wandel des Käuferverhaltens hin zum Fertigbau, war erneut Erfindergeist gefragt. Auf der Suche nach was Neuem kamen Harald und Christoph Döppner auf die Idee, eigene Vordächer auf Edelstahlbasis zu entwickeln. 1997 fiel die Entscheidung, sich Kenntnisse in der Überkopfverglasung anzueignen. Edelstahl lag im Trend, so schien es logisch, hochwertige Sicherheitsgläser mit edlen Beschlägen zu kombinieren.

Harald Döppner, 2001

Harald Döppner, 2001

Schnell wurde klar, das die regionale Nachfrage eine Investition für die notwendigen Entwicklungen, statischen Berechnungen und Kosten für Zulassungen nicht decken würde. So wagte man den Schritt, als Systemanbieter und Produzent von Glasvordächern für den deutschsprachigen Raum aufzutreten. Der Vertrieb sollte über Fachfirmen (Schreiner, Glaser, Metallbauer) erfolgen, die sich mit der Montage von Vordachsystemen bereits auskennen. Für den Versand per Spedition wurde eigens ein Verpackungssystem entwickelt, um die hochwertigen Glasvordächer schadlos ausliefern zu können.

Treffen mit Luigi Colani, 2001

Treffen mit Luigi Colani, 2001

1999 war es dann soweit. Zu Beginn wurden Flyer für Wiederverkäufer gedruckt, die Werbetrommel gerührt und schon bald ging das erste Dach auf die Reise. Zunächst sorgte das abgestimmte Design und die einmalige Montagefreundlichkeit der Systeme für wesentlich mehr Interesse bei der Fachwelt, als für Kaufinteresse bei Kunden. Entscheidende Kontakte für die weitere Entwicklung wurden geknüpft. So konnte mit Unterstützung des BBZ in Fulda z.B. die Fertigungstechnik und der Umgang mit den „neuen“ Materialien erheblich verbessert werden.

Präsentation auf der Hannover Messe Christoph Döppner, Bernd Döppner, 2001

Präsentation auf der Hannover Messe Christoph Döppner, Bernd Döppner, 2001

2001 stellen Bernd und Christoph Döppner auf der Hannovermesse erstmals die Innovationen im Vordachbau, vor dem Zentralverband des deutschend Handwerks, vor. In diesem Jahr beginnt auch die Zusammenarbeit mit dem schwäbischen Unternehmen „Schneider + Fichtel“ (S+F), die 2004 in der Gründung eines eigenständigen Unternehmens, der „l i f GmbH“ (light innovation future), mündete. Ziel ist die gemeinsame Forschung und Entwicklung von stromleitenden Gläsern und deren Anwendung, in Kooperation mit der SCHOTT AG.

Auszeichnung mit dem Unternehmerpreis „Innovativer Mittelstand“ Bernd Döppner, Christoph Döppner 2004

Auszeichnung mit dem Unternehmerpreis „Innovativer Mittelstand“ Bernd Döppner, Christoph Döppner 2004

Mit besonderer Produkttiefe und neuem Katalog stellte sich 2005 zudem langsam der Erfolg bei den Vordachverkäufen ein. Auch regional steht nun das Unternehmen DÖPPNER, neben der Kompetenz bei Fenster, Haustüren, Wintergärten, Rollläden und Sonnen- und Insektenschutz, für innovative und hochwertige Glasvordächer mit zeitlosem Design.

Sogar das Fernsehen zeigt Interesse an den Erfindungen über stromleitendes Glas, an denen das unscheinbare Unternehmen aus Lütterz maßgeblich beteiligt war. LEDs, die kabellos im Glasverbund „schwebend“, zum Leuchten gebracht werden und die daraus entstandenen Anwendungen waren Thema in der MDR Sendereihe „einfach genial“.

Weitere Entwicklungen verfolgte man zuletzt in der Befestigungstechnik mit einem neuartigen Glas-/Metallverbund, um Sicherheitsgläser ohne Zwängung (ohne Verschrauben oder Klemmen), spannungsfrei befestigen zu können.

MDR Fernsehaufzeichung zur Sendereihe “einfach genial”, 2005

MDR Fernsehaufzeichung zur Sendereihe “einfach genial”, 2005

Der Dank des Unternehmens DÖPPNER für 100 Jahre Unternehmensgeschichte gebührt der Arbeitsbereitschaft und hervorragenden Leistung seiner Mitarbeiter. Er gilt den unzähligen, entbehrungsreichen Stunden seiner Unternehmensführung und deren Familien, die mit sozialer Verantwortung das Risiko und Investitionen in die Zukunft schultern.

Der Dank gilt nicht zuletzt allen Kunden, die den Service und die Qualität des Betriebes schätzen und über Jahre hinweg weiterempfohlen haben.